Amor vincitore
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Ein Mann, der eine Frau liebt; eine Frau, die lieber alleine bleiben möchte; ein Gott, der Pfeile verschießt; und dann: die Liebe. Auf den ersten Blick ist die Handlung des Stücks, das der jüngste Bach-Sohn Johann Christian komponierte und das 1774 nach seiner Londoner Uraufführung im Schwetzinger Schlosstheater gezeigt wurde, ganz einfach. Auf den zweiten Blick ist sie es nicht – finden zumindest Pauline Jacob und Lisa Florentine Schmalz vom Musiktheater- und Hörspielkollektiv staatsoper24, die das nahezu vergessene Stück gemeinsam mit Sebastian Bauer als Hörtheater in Szene setzen. Inspiriert von Skulpturen des Schwetzinger Schlossgartens, schauen sie spielerisch hinter die Fassade des Spiels um Alcidoro, Dalisa und Amor, fragen nach den Rollenbildern von Amor vincitore und nach der Freiheit des Begehrens. Dabei werden die frühklassischen Klänge eines Stücks, das sich gattungsmäßig zwischen zwei Stühle (nämlich Kantate und Operneinakter) setzt, auch mal mit zeitgenössischen Klang-Momenten von Patrick Schäfer kontrastiert. Gesungenes wird durch Gesprochenes ergänzt. Kostüme nehmen die Bildsprache der Skulpturen im Schlossgarten auf. Für verführerische Klänge sorgen Julia Lezhneva und Maayan Licht in zwei virtuosen Sopranpartien gemeinsam mit dem Ensemble Il Gusto Barocco unter Jörg Halubek. Mit dabei ist auch ein Projektchor mit Studierenden der Mannheimer Musikhochschule. Neben Johann Christian Bachs farbig instrumentierter Musik hört man Atem und Wind. Mag sein, dass dieser am Ende einige Götter vom Sockel gefegt haben wird. Ob der Liebesgott das Rokokotheater am Ende wohl wirklich als Sieger verlassen wird?
Schwetzinger SWR Festspiele
Premiere: 24.05.2025
Künstlerische Leitung: staatsoper24, Sebastian Bauer
Szenische Leitung: Lisa Florentine Schmalz
Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Kostüme
Dramaturgie: Eike Mann
Komposition: Patrick Schäfer
Text: Pauline Jacob
Sopran, Dalisa: Julia Lezhneva
Sopranist, Alcidoro: Maayan Licht
Schauspielerin, Amor: Julia Riedler